gefördert durch den Fonds Soziokultur
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Seegras ernten Seegras spinnen Gemeinschaft Schreiben wie früher Eine Mangel Lehm stampfen für den Stampflehmboden Kordeln aus Seegras Lehmziegel aus eigener Herstellung

Projekt “Geschichte der Alten Seegrasspinnerei”

gefördert durch den Fonds Soziokultur

Projektbeschreibung

Die Alte Seegrasspinnerei ist das einzige in Nürtingen vollständig erhaltene Industrieensemble aus den Jahren um 1875. Der Trägerverein Freies Kinderhaus hat sich dem denkmalgeschützten Areal angenommen und baut es liebevoll zu einem ökologischen, kulturellen und sozialen Zentrum (nicht nur) für Kinder und Familien auf.
Die Renovierung des letzten Gebäudes, der “Fabrikation”, wurde zum Anlass genommen, die Geschichte des Areals zu erforschen und für die zukünftigen Nutzer erlebbar zu machen.

Mit Bekanntwerden des Namens des Areals “Alte Seegrasspinnerei” und den Baufortschritten tauchten zwei Fragen immer wieder auf: “Was ist eigentlich Seegras und warum reißt man nicht diese alten Häuser ab?” Diese alten Häuser sollen denkmalgeschützt sein? Um diese Fragen zu beantworten begann der Verein Anfang des Jahres mit dem Projekt “Geschichte der Alten Seegrasspinnerei”

Zielsetzung

Die Auseinandersetzung mit den Ursprüngen des Gemäuers fördert die Identität mit dem Areal auf dem man wirkt und zur Stadt in der man lebt. Der Sinn und Zweck des Erhalts des Industrieensemble wird klarer, wenn man die Hintergründe weiß. Der Verein hat es leichter, mit einem ansprechenden Büchle Sponsoren für den Erhalt der Häuser zu gewinnen und so die Sanierung fortführen zu können und somit wichtigen Raum zur Umsetzung für neuer Nutzungskonzepte in dem ökologischen, kulturellen und sozialen Zentrum zu öffnen.

Die Geschichte der Seegrasspinnerei erforscht eine freiberufliche Historikerin die Industriegeschichte des Areals und auch die Begebenheiten des Stadtteils zur Zeit der Industrialisierung. Die jetzigen Nutzer – die Kinder – werden miteinbezogen als Geschichtsdetektive, erproben Alte Handwerkskunst und suchen Seegras. Die Ergebnisse werden zusammengetragen und präsentiert, so dass Kinder und Laien sich mit dem “Genius Loci”, dem Ortsgeist, auseinandersetzen können. Zielprodukt ist ein Buch oder Broschüre, das den Werdegang des Areals bis in die heutige Zeit nachzeichnet.

Durchführung

Bisher hat die Historikerin Petra Garski-Hoffmann weit über 100 Stunden in verschiedenen Archiven verbracht und mit 20 Zeitzeugen gesprochen, die als Kinder den großen Brand 1929 erlebt hatten oder die französischen Gefangen versorgt hatten, bzw. in der Firma Alex Linder Möbelfabrik gearbeitet hatten. In einem Café Seegras erläuterte sie die Bedeutung der Firma C.G. Schmid Rosshaar- und Seegrasspinnerei, die zeitweilig das größte seiner Art in Deutschland war und in alle Welt exportierte. Die anwesenden Gäste und Zeitzeugen tauschten Erinnerungen aus und erzählten lebhaft Anekdoten. Der Schülerhort nimmt sich dem Thema Lehmbau an und konstruiert eine kleine Spielstadt aus Ruten und Lehm. Im “Innenhofprojekt – vor 100 Jahren” haben Kinder in offenen Werkstätten Gelegenheit, Wolle zu spinnen, Wäsche zu waschen, Holzspielzeug zu bauen. Sie gehen in den Wald mit einem Botaniker und ernten Seegras, binden es zu allerlei Getier – auch Seegrasspinnen – und kordeln es zu Seilen, wie es früher üblich war. Nebenbei erfahren sie den Sinn und Zweck des Seegras, das billiges Polstermaterial war und heute bei Floristen sehr beliebt ist.

Eine Ausstellung zum Stadtteil Kirchheimer Vorstadt “wie's früher war” schickt Kinder auf die Suche nach dem Standpunkt des Fotografen, um Vergleiche und Veränderungen festzustellen. Fantasien zur zukünftigen Nutzung der drei Häuser sind erwünscht. Das Vorhaben des Vereins, das Areal für Kinder, Jugendliche und Familien nutzbar zu machen, wird mit dem Bauprojekt “JugendAufBau” vorangetrieben.
Ein Leitsystem in dem vielfältig genutzten Areal wurde in Auftrag gegeben, und kommuniziert die historische Nutzung der Gebäude: Kesselhaus, Kontor, Fabrikation.
Im nächsten Teil werden die Ergebnisse zusammengetragen, um diese auszustellen und in einem Büchlein festzuhalten, das an Sponsoren, Nutzer und Gäste verteilt werden kann.